Flügel über Dune Park – Octave Chanute und seine Begleiter
Eines der drei Erprobungszentren in Nordamerika zum Ende des 19. Jahrhunderts im Bereich der Flugtechnik war eine Gruppe von Experimentatoren, die sich in Chicago um den Franko-Amerikaner Octave Chanute (1832-1910) scharrte und sich Mitte der 1890er Jahre intensiv mit der Erprobung von Gleitflug-Apparaten befasste. Aus dieser Gruppe ging auch eines der wichtigsten Fluggeräte vor den Brüdern Wright hervor, der Chanute-Herring-Gleiter. Octave Chanute war Bauingenieur, Geschäftsmann und begeisterter Luftfahrt-Enthusiast, dessen Ruf und Ansehen in der Luftfahrtgeschichte weltweit bis heute hervorragend etabliert ist.
Der Eisenbahningenieur und Brückenbauer Chanute begann bereits ab 1878 umfangreiche Informationen zum Thema „Fliegen“ zu einer kleinen Bibliothek zusammen zu stellen, schenkte dieser Sammlung aber aufgrund seiner umfangreichen beruflichen Tätigkeiten und seiner praktischen Versuche in den darauf folgenden Jahren weniger Beachtung. Dieses Kompendium von Beiträgen vieler internationaler Experimentatoren zur Entwicklung des Fliegens, zusammengefasst in seiner Bibliothek in Chicago, war wohl eines der Komplexesten seiner Art in der Welt.
Elf Jahre waren vergangen, als nach einer Studienreise nach Europa, der damalige Präsident des Vereins Amerikanischer Ingenieure, Octave Chanute, seine Sammlung in einer amerikanischen Fachzeitschrift veröffentlichte. Unter dem Titel „Progress in Flying Machines“ („Fortschritte auf dem Gebiet der Flugmaschinen“) wurde sein Werk neben Lilienthals Buch „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“ zu einer Art Bibel der Flugtechnik und behandelt kritisch alle Luftfahrt-Experimente, die bis zu diesem Zeitpunkt bekannt waren.
Geboren 1832 in Paris, emigrierte er mit seinem Vater im Jahre 1838 und wurde in einer Privatschule in New York City erzogen. Obwohl er keine formale Ausbildung als Bauingenieur erhalten hatte, machte er dennoch Karriere in verschiedenen Beschäftigungsverhältnissen. Im Jahr 1863 wurde er Chefingenieur der Chicago & Alton Railroad.
Octave Chanute hatte umfangreiche Kontakte zu vielen Forschern und Pionieren der Luftfahrt und stellte so etwas wie eine Zentralfigur für den Austausch von Erfahrungen im Bereich der Flugtechnik dar, auch zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. Einige Jahre später wandten sich sogar die Gebrüder Wright mit ihrem ersten Motorflug-Projekt an Chanute, um Erfahrungen und Tipps des Ingenieurs einzuholen, denn sie wurden besonders durch die Arbeiten von Lilienthal und Chanute inspiriert. Aus diesen Konsultationen entwickelte sich eine jahrelange Freundschaft.
Chanute führte unzählige Versuche mit verschiedenen Tragflächen- Formen durch. Sein Leiterdrachen mit einem Diagonal-Rahmenwerk, ähnlich den Trägern einer Eisenbahnbrücke, zeigte die besten Testresultate. Der aus drei kastenförmigen Hargrave-Drachen zusammengefügte Gleitflieger war sehr flugstabil und wurde danach von Chanute so groß gebaut, dass ein Mann damit sich in die Luft erheben konnte. Als Chanute seinen Mann tragenden Doppeldecker-Gleiter fertig gestellt hatte, war er bereits über 60 Jahre alt und zu der Überzeugung gekommen, die Flugversuche nicht mehr selbst ausführen zu können.
Er engagierte Flug begeisterte Männer als Assistenten, welche nicht nur den Lilienthal-Gleiter kannten, sondern auch eigenes Wissen und Erfahrungen zum Thema Fliegen mitbrachten.
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